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    Beschwerderekord wegen Ärger mit Ärzten

    Bericht 20Min. von A. Hirschberg - Die Schweizer Patientenstellen haben noch nie so viele Beschwerden erhalten wie 2012. Grund dafür sind ausländische Zahnärzte und die neue Abrechnung der Spitäler.

     

    Die Patientenstellen in der ganzen Schweiz wurden 2012 mit Anfragen überschwemmt. In der Zentralschweiz sind es 20 Prozent mehr, Aargau-Solothurn verzeichnen gar einen Drittel mehr Anfragen - von 900 auf 1200. Zürich und Ostschweiz haben die Zahlen noch nicht ausgewertet, sprechen aber von einem «deutlichen Anstieg».

    Für die Welle von Beschwerden gibt es laut den Patientenstellen mehrere Erklärungen. Laut Erika Ziltener von der Patientenstelle Zürich war die Anlaufstelle 2012 viel in den Medien. «Die Leute wissen erst jetzt, dass es uns gibt und wenden sich an uns.»

     

    Problematische Zahnbehandlungen

    Es gebe aber auch mehr Fälle, die zu Anfragen führten. Ein Faktor seien neu die Zahnärzte. Immer öfter sorgen deren Behandlungen bei Patienten für Schmerzen oder Probleme. «Derzeit wird ein harter Kampf unter den Zahnärzten geführt», sagt Yvonne Blöchliger. Aufgrund der Personenfreizügigkeit strömten ausländische Zahnärzte in die Schweiz, die nicht immer den Ausbildungsstand Schweizer Zahnärzte haben. «Problematische Behandlungen nehmen zu», bestätigt Erika Ziltener.

    So seien beim Ziehen von Weissheitszähnen etwa nötige Voruntersuchungen nicht gemacht worden. Die Folge seien bleibende Nervenschäden. Auch nach dem Flicken von Löchern gibt es öfter Probleme. So werde die Kaufläche oft nicht richtig abgeschliffen und die Patienten hätten nach der Behandlung grosse Schmerzen beim Beissen.

     

    Mit kompliziertem Verband alleine gelassen 
    Als wichtigster Auslöser für die Flut an Beschwerden gilt jedoch die Einführung der Fallpauschale. So wurde etwa ein zuvor operierter Patient am Freitagabend nach Hause geschickt und kurzfristig der Spitex übergeben. Diese sollte ihm die nötige Spritze Blutverdünnungsspritze einmal täglich verabreichen. Am Wochenende herrschte aber Personalmangel und die Behandlung wurde nicht durchgeführt. Das sei gefährlich und letztlich leide der Patient. 

    In einem anderen Fall schickte man eine Patientin mit einem komplizierten Verband nach Hause, der gewechselt werden musste. Der Wechsel entpuppte sich für einen Laien als zu heikel: Die Wunde entzündete sich und die Patientin musste erneut hospitalisiert werden. Hätte man sie ein bis zwei Tage länger im Spital behalten, wäre ihr Spitalaufenthalt kürzer ausgefallen.

     

    Mit Krebs im Endstadium nach Hause geschickt 
    Besonders stossend ist aber der Fall einer Patientin mit Krebs im Endstadium. Sie musste ein Wochenende mit grossen Schmerzen Zuhause verbringen, weil sie wegen der Fallpauschale ohne Nachbetreuung am Freitag aus dem Spital entlassen wurde. Die Wiederaufnahme war erst für Montag geplant.

     

    Auch Beschwerden rund um ambulante Behandlungen häufen sich. So musste eine Frau mit Herzproblemen eine Augenoperation machen. Der Arzt wollte sie wegen des Herzens eine Nacht im Spital lassen. Die Krankenkasse wollte dies aber nicht bezahlen, weil die Fallpauschale eine ambulante Behandlung vorsah und die Übernachtung extra verrechnet worden wäre.

     

    Spitäler sollen handeln

    Ziltener fordert nun konkrete Massnahmen - beispielsweise ein breites Spitexangebot und Übergangsstationen in Spitälern, in denen Patienten die Zeit zwischen Akutstation und Heimkehr verbringen können. «Wir müssen sicherstellen, dass Patienten erst dann heimgeschickt werden, wenn für sie keinerlei Gefahr mehr besteht und die Nachbehandlung sichergestellt ist.»

    Ob und wann ihre Forderungen umgesetzt werden, ist aber fraglich. Zulezt beurteilte etwa der Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger die neue Spitalfinanzierung als durchwegs positiv.

     

    Hilfreiche Links:

    http://www.ombudsstelle-spitalwesen.ch/

     

     

     

     

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